
Vor der in einigen Tagen erwarteten Veröffentlichung der bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2025 warnt die Kriminologin Susann Prätor vor einer Fehlinterpretation der Daten zu ausländischen Tatverdächtigen. Prätor, die an der Polizeiakademie Niedersachsen lehrt, sagt, diese Statistik sei letztlich ein Tätigkeitsbericht der Polizei, der stark von der Anzeigebereitschaft und der polizeilichen Aktivität in bestimmten Gebieten abhänge.
Tatverdächtige mit anderer Herkunft werden häufiger angezeigt
Eine Studie aus dem vergangenen Jahr habe etwa ergeben, dass die Anzeigewahrscheinlichkeit bei 7,9 Prozent liege, wenn sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter keinen Migrationshintergrund haben. Wenn das Opfer keinen Migrationshintergrund habe und beim Tatverdächtigen eine ausländische Herkunft vermute, werde die Tat dagegen mit einer Wahrscheinlichkeit von 22,4 Prozent zur Anzeige gebracht. Da der Anteil der Straftaten, die der Polizei aufgrund einer Anzeige bekanntwerden, bei über 90 Prozent liege, sei dies ein relevanter Faktor.
Ausländische Tatverdächtige ohne Wohnsitz in Deutschland
Mit rund 35 Prozent sei der Anteil von Ausländern an den Tatverdächtigen zuletzt deutlich höher gewesen als ihr Anteil an der Wohnbevölkerung in Deutschland von rund 15 Prozent, sagt die Forscherin. Dabei sei allerdings auch zu bedenken, dass die Gruppe der Nichtdeutschen gemäß der PKS sehr heterogen sei. Sie umfasse neben Flüchtlingen und Menschen, die schon lange in Deutschland leben, unter anderem auch Touristen und Saisonarbeiter. "Von allen nichtdeutschen Tatverdächtigen haben ungefähr 25 Prozent gar keinen Wohnsitz in Deutschland beziehungsweise ist er unbekannt der Wohnsitz", sagt Prätor.
Da junge Menschen und Männer sowie männliche Jugendliche häufiger straffällig würden als ältere Menschen und Frauen, sei es zudem nicht überraschend, dass unter den Ausländern der Anteil der Tatverdächtigen höher sei. Denn unter ihnen sei der Anteil der Männer größer als in der Gesamtbevölkerung, zudem seien sie im Schnitt jünger.
Seltener auf dem Gymnasium - häufiger im Problemviertel
Notwendig wären aus ihrer Sicht mehr Dunkelfeldstudien in diesem Bereich. Für Jugendliche existierten diese bereits und hätten gezeigt, dass sowohl herkunftsbedingte Einflüsse wie stärker verbreitete "Männlichkeitsnormen", oder mehr elterliche Gewalt als auch die in Deutschland angetroffenen Lebensumstände eine Rolle spielten, sagt die Wissenschaftlerin in einem Pressegespräch des Mediendienstes Integration. Relevant sei unter anderem, welche Schulen zugewanderte Kinder und Jugendliche besuchen und der Wohnort - oft in städtischen Vierteln mit schwieriger Sozialstruktur oder im ländlichen Raum mit wenig Anschluss zur einheimischen Bevölkerung.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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