
Bei Borussia Dortmund versuchen sie alles, um die Spannung irgendwie hochzuhalten. Wie schwierig das bei elf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München und angesichts des vorzeitigen Scheiterns in der Champions League und im DFB-Pokal ist, wurde beim 2:1-Zittersieg beim eine Halbzeit lang in Unterzahl spielenden 1. FC Köln allzu deutlich. "Wir werden das sicherlich aufarbeiten müssen", schimpfte Trainer Niko Kovac. "Das kann nicht unser Anspruch sein."
Kovac ist kein Trainer, der öffentlich hart mit seinen Spielern ins Gericht geht. Im extrem kritischen BVB-Umfeld stellte sich der 54-Jährige in den vergangenen Monaten nach Rückschlägen immer wieder vor seine Mannschaft und versuchte, aufkommende Kritik als unsachlich zurückzuweisen. Am Samstagabend aber hatte auch er genug. Zusammen mit Sportdirektor Sebastian Kehl faltete er seine Spieler noch in der Kabine zusammen.
Kabinen-Standpauke für die BVB-Profis
"Wir haben sehr intensiv diskutiert mit der Mannschaft", berichtete Kehl. Gegen zehn abstiegsbedrohte Kölner hätte der BVB eine 2:0-Führung beinahe noch verspielt. Nach dem späten Anschlusstreffer von Jakub Kaminski (88. Minute) übersah Schiedsrichter Daniel Siebert in der Nachspielzeit ein klares Handspiel von Dortmunds Yan Couto. Auch der Videoschiedsrichter griff nicht ein, was zu wütenden Reaktionen des FC führte.
"Ich kann die Reaktionen durchaus verstehen", bekannte Sportchef Lars Ricken bei Sky und Kehl meinte: "Ich kann nicht verhehlen, dass wir uns auch aufgeregt hätten." Viel hätte nicht gefehlt, und der Vorsprung von aktuell acht Zählern auf Rang fünf wäre geschmolzen. Die Nicht-Qualifikation für die Champions League wäre für den börsennotierten Club eine finanzielle Katastrophe. Durch das nicht eingeplante Scheitern in den Achtelfinal-Playoffs steuern die Dortmunder bereits auf einen Fehlbetrag im laufenden Geschäftsjahr in Höhe von bis zu 22 Millionen Euro zu.
Kovac konnte sich zuletzt immer auf die deutlich stabilere Bundesligasaison im Vergleich zum Vorjahr berufen, als er den taumelnden Revierriesen nach seiner Amtsübernahme im Februar 2025 noch irgendwie in die Champions League gehievt hatte. Das Scheitern dort bei Atalanta Bergamo veränderte aber auch seine Position. In der Geschäftsführung herrscht trotz der guten Bundesliga-Saison mit nur zwei Niederlagen bislang - beide gegen den FC Bayern - Frust.
Ricken-Ankündigung weckt Erinnerungen
"Eine ausführliche und intensive Analyse folgt nach dem letzten Spieltag", kündigte Sportchef Ricken in der vergangenen Wochen in einem Interview der Funke-Mediengruppe an. Damit weckte er Erinnerungen an die Saison-Nachlese 2022, als der damalige Trainer Marco Rose trotz Platz zwei in der Liga für viele überraschend gehen musste. Auch damals war der BVB unter ihm in der Champions League und im DFB-Pokal zu früh gescheitert.
Auch Sportdirektor Kehl wird unangenehme Fragen beantworten müssen. Der finanzielle Aufwand und der Ertrag der Sommer-Zugänge im vergangenen Jahr für immerhin rund 100 Millionen Euro steht in keinem Verhältnis. Zuletzt gab es zudem Berichte, dass auch die Verlängerung von Rickens 2027 auslaufenden Vertrag kein Selbstläufer wird. Angesprochen darauf reagierte der frühere BVB-Kapitän am Samstagabend kurz angebunden. Das sei jetzt kein Thema, "wir sind jetzt im Arbeitsmodus."
Brandt-Aus nach sieben Jahren
Die Kader-Umgestaltung ist im vollen Gange. Dies bekam als Erster der langjährige Dortmunder Profi Julian Brandt zu spüren. Dessen auslaufender Vertrag wird - durchaus etwas überraschend - nicht verlängert. "Das kann eine Chance sein für beide", befand Kehl dazu.
Die größte Herausforderung bleibt aber der Kampf gegen die Gleichgültigkeit in den letzten neun Saisonspielen. "Das ist die Hauptaufgabe auch aller Verantwortlichen, genau das nicht zuzulassen", gestand Kehl unter dem Eindruck des Zittersieges in Köln.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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