
Tamara Korpatsch denkt beim größten Erfolg ihrer Tennis-Karriere auch an die extrem harten Anfänge zurück. Als sie und ihre Familie bei kleinen Turnieren in Frankreich im Auto schliefen, um Hotelkosten zu sparen. "Nach einer Weile konnten wir uns von meinem Preisgeld einen Wohnwagen leisten", erzählte die 31-Jährige: "Es war echt schön, so richtig luxuriös für uns damals."
Inzwischen müssen Korpatsch und ihre Familie nicht mehr in einem Wohnmobil übernachten, als aktuelle Top-100-Spielerin darf die Hamburgerin im Hauptfeld der Grand-Slam-Turniere teilnehmen, wo das große Geld zu verdienen ist. Und deswegen war der Drittrunden-Einzug bei den French Open für sie ein Jackpot: Damit waren ihr bereits 187.000 Euro an Prämie sicher - unabhängig vom Match am Freitagnachmittag gegen die klar favorisierte Ukrainerin Elina Switolina.
Korpatsch: "Musste ständig kämpfen"
Wenn Topspieler wie Aryna Sabalenka oder Jannik Sinner öffentlich für eine höhere Beteiligung an den Einnahmen der Grand-Slam-Turniere kämpfen, dann tun sie das auch für Profis wie Korpatsch. Laut der Profispieler-Gewerkschaft PTPA können nur etwa 400 bis 500 Spieler weltweit von Tennis leben. Und nur die Topspieler können wirklich gut von ihrem Sport leben.
"Manchmal vergessen wir Spieler, was es bedeutet, hier zu sein", sagte Korpatsch. Sie will es nicht vergessen, denn ihr besonderer Weg hat sie zu der Spielerin gemacht, die sie heute ist: eine Kämpferin.
"Ich musste ständig kämpfen und stand unter großem Druck, weil ich unbedingt gewinnen musste, da meine Eltern alles für mich gegeben haben", sagte sie. Von Tennis-Romantik hat ihr beschwerlicher Weg von den ganz kleinen ITF-Turnieren auf die große Grand-Slam-Bühne kaum etwas. Und dennoch: "Ich und meine Eltern haben einfach alles alleine geschafft. Ich bin wirklich sehr stolz, dass ich so gut wie die einzige Spielerin bin, die es in die Top 100 geschafft hat ohne irgendwelche Hilfe."
Wenig bis keine Unterstützung vom Verband
Ihr Vater sei ihr Coach, ihre Mutter auch mal ihre "Besaiterin und jetzt auch Hundesitterin" für Maltipoo Stella, berichtete Korpatsch. Unterstützung und auch Wertschätzung vom Deutschen Tennis Bund habe sie dagegen "ein bisschen vermisst". Gerade bei der Vergabe der Wildcards für deutsche Turniere sieht sie sich gegenüber anderen Spielerinnen benachteiligt.
Genugtuung, dass das Frauen-Team jüngst im Billie Jean King Cup in die Drittklassigkeit abgestürzt ist, verspürt Korpatsch aber keineswegs. Gerne hätte sie im Playdown gegen Litauen gespielt und geholfen, doch sie trat parallel bei einem Turnier in Linz an. Sie brauchte die Punkte dort, auch mit Blick auf ihren French-Open-Start.
"Bin keine Fake-Person"
Zum neuen Teamchef Torben Beltz pflegt sie ein gutes Verhältnis, eine künftige Nominierung beim Neuaufbau wäre für Korpatsch vermutlich eine späte Genugtuung. Denn in den vergangenen Jahren war sie trotz teils guter Ergebnisse und Ranglistenpositionen nicht nominiert worden.
Ob es mit ihrer nicht immer diplomatischen Art zu tun hat? "Ich bin einfach ich, ich bin natürlich und ich verändere mich auch nicht für die Öffentlichkeit oder für die Medien", sagte Korpatsch: "Ich bin auch keine Fake-Person."
Ihren Emotionen ließ sich auch beim Zweitrunden-Sieg gegen Wang Xinyu freien Lauf, als sie der Chinesin wegen der Unstimmigkeiten um eine Aus-Entscheidung am Netz nicht die Hand geben wollte. Der Fall sorgte auch bei internationalen Medien für Schlagzeilen.
Ungewohnte Tage im Rampenlicht
Für Korpatsch, die sich selbst als schüchtern bezeichnet, sind die Tage in Paris eine ungewohnte Zeit im Rampenlicht. Doch sie will es genießen - denn für sie ist es alles andere als selbstverständlich. "Hätte ich vor zehn Jahren darüber nachgedacht, dass ich heute hier bin, hätte ich es nie geglaubt, denn es war nur ein Traum."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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