
Den so lang ersehnten Moment der Erlösung hielt Florian Wirtz noch eine ganze Weile fest. "Ich war sehr glücklich und bin es immer noch", sagte der 22-Jährige, nachdem er mit seinem Premierentor für den FC Liverpool die Kritiker wohl fürs Erste zum Schweigen gebracht hatte. "Go with the Flo", titelten die Boulevardblätter "The Sun" und "Daily Mirror" in seltener Einigkeit nach dem Gala-Auftritt des deutschen Fußball-Nationalspielers beim 2:1-Heimsieg gegen die Wolverhampton Wanderers.
23 Pflichtspiele hatte Wirtz auf dieses Glücksgefühl warten müssen, ehe ihm nach Vorlage vom Ex-Frankfurter Hugo Ekitiké der Treffer zum 2:0 für die Reds gelang. "Ich war zuversichtlich, dass ich eines Tages ein Tor schießen würde. Aber natürlich wollte ich früher anfangen, Tore zu schießen und Vorlagen zu geben", sagte der Mittelfeldspieler.
Im Sommer war Wirtz für eine Ablöse von rund 150 Millionen Euro von Bayer Leverkusen gekommen, zuletzt war die Schar der Zweifler zunehmend lauter geworden. Die Härte der Premier League, der für viel Geld neu zusammengestellte Kader, der Druck der hohen Erwartungen und dann auch noch eine wochenlange Ergebniskrise - es lief irgendwie nicht für Wirtz und den FC Liverpool.
Signal an den Bundestrainer zum Start ins WM-Jahr
"Bei den Bayern hätte er es von der fußballerischen Anpassung garantiert einfacher gehabt, er wäre ja in derselben Liga geblieben", befand Ex-Weltmeister Thomas Müller noch vor den Feiertagen in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Statt dem Werben der Münchner zu erliegen, hatte sich Wirtz für Liverpool entschieden.
Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte erfreut feststellen, dass die Formkurve von Wirtz rechtzeitig zum Start ins WM-Jahr wieder nach oben zeigt. "Das Team hat schon vorher gesehen, was er uns bringt", sagte Reds-Trainer Arne Slot und versicherte: "Er wird noch viel mehr Tore wie dieses schießen."
Der Coach verriet, dass Wirtz zuletzt daran gearbeitet habe, Muskeln aufzubauen, um sich im knallharten englischen Fußball zu behaupten und seine Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. "Ich muss mich einfach an die körperliche Härte und meine Mitspieler im Mittelfeld gewöhnen. Jedes Spiel fühle ich mich ein bisschen besser, so soll es weitergehen", erklärte der Jungstar.
Kapitän mahnt: Nach 60 Minuten war Wirtz müde
Kapitän Virgil van Dijk lobte, dass Wirtz sich zunehmend besser auf die Intensität und die Spielweise in Liverpool einstelle. "Wir sind sehr zufrieden mit ihm, er sollte mit dem Tor auch zufrieden sein. Aber nach ungefähr 60 Minuten war er ziemlich müde, das ist etwas, an dem wir noch arbeiten müssen, damit das auch alle drei Tage über 90 Minuten klappt", sagte der Niederländer.
Tatsächlich geriet der Erfolg der Liverpooler gegen den Tabellenletzten nach einer starken ersten Halbzeit in der Schlussphase noch in Gefahr. "Da haben wir es uns etwas schwer gemacht. Das kann ich nicht erklären, das müssen wir ändern", mahnte Wirtz. Zumindest ist Liverpools Formdelle aus dem Herbst überwunden, sieben Partien ist das Team nun ohne Niederlage. Als Vierter hat der Titelverteidiger aber schon zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Arsenal.
Wirtz: Wusste, dass dieser Tag kommt
Für eine erfolgreiche Aufholjagd wird viel auch auf Wirtz ankommen. Wohl auch deshalb fiel der Jubel von Mitspielern und Fans nach dem Treffer des Deutschen besonders intensiv aus. "Es war sehr schön. Das Gefühl auf dem Platz mit den Fans um mich herum. Ich wusste einfach, dass dieser Tag kommen würde. Ich versuche einfach, so weiterzumachen", sagte Wirtz.
Das Heimatblatt "Liverpool Echo" frohlockte bereits: "Der Verdacht wächst, dass dies erst der Anfang für den offensiven Mittelfeldspieler in Anfield war. Auf ins neue Jahr!".
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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