
Michael Schüler trägt an diesem Nachmittag in Sichtweite des FC-Köln-Stadions sein Markenzeichen: ein Trikot mit der Nummer 25. Es ist die Nummer, die ihn am Ende der Fußballer-Karriere bei seinem Heimatverein TuS Ahbach in Rheinland-Pfalz begleitet hat – und nun auf die Bühnen am Ballermann.
Der 28-Jährige ist schon vieles gewesen: Nachwuchstalent, Verteidiger, Reality-TV-Gesicht. Heute singt er als Micha Schue Partyschlager, tritt im legendären Bierkönig auf Mallorca auf. Sein Song "Wir schwenken das Trikot" ist ein typischer Mitgröl-Hit zur WM, aber auch eine Klammer seines bisherigen Lebens.
Schüler wächst in der Eifel auf, fernab der großen Stadien. Doch der Traum ist früh klar. "Ja, 100Prozent, seitdem ich denken kann", sagt er über seinen Wunsch, Profi zu werden. Cristiano Ronaldo ist sein Idol, als Abwehrspieler orientiert er sich an Sergio Ramos. Robust statt filigran, kompromisslos statt verspielt.
Seine Jugend führt ihn zu Bayer Leverkusen und zum 1. FC Köln. Mit 17 steht er im erweiterten Kader der U18-Nationalmannschaft. Ein Jahr spielt er in der zweiten Mannschaft des FC. Später geht es über Koblenz in die dritte Liga nach Jena. Mit Steinbach Haiger wird er Hessen-Pokalsieger, steht im DFB-Pokal auf dem Platz.
Eine Karriere mit Dummheiten
Doch die Karriere verläuft nicht geradlinig, der Abwehrspieler ist ziemlich verletzungsanfällig. Dazu kommen Dummheiten, wie ein gebrochener Fuß in der Jugend, weil er vor Frust gegen den Torpfosten tritt. "Ich bin nie die hellste Birne gewesen", sagt er heute und grinst.
Der Traum vom großen Fußball bleibt unerfüllt, nicht nur wegen einer schweren Knieverletzung. Die Leistungen reichen einfach nicht für ganz nach oben. "Wenn man sieht, wie viele es am Ende schaffen, vom Fußball zu leben, ist das schon brutal. Das sind die Allerwenigsten."
Schüler, der in der Nähe von Köln lebt, kennt den Druck aus der Jugendakademie des FC. "Es kommt immer wieder vor, dass man durch Jüngere und Bessere ausgetauscht wird." Ein Satz, der auch auf die Branche passt, in der er sich inzwischen bewegt.
Fernsehen statt Fußball
Nach dem Fußball beginnt für den "Überlebenskünstler" mit Fachabi ein neues Kapitel. Eines, das in der Eifel zunächst belächelt wird: Reality-TV. "Der macht sich doch zum Affen", hieß es hinter vorgehaltener Hand im Heimatort. In Formaten wie "Couple Challenge", "Are You The One", "Germany Shore" oder "The 50" wird Schüler erstmals sichtbar. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern verzichtet er auf inszenierten Streit oder Liebes-Skandale.
Parallel macht er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Doch eine andere Leidenschaft hat sich da längst angebahnt. Seit seiner ersten Mallorca-Reise mit der U21 des 1. FC Köln, die er spontan um einen Tag verlängerte, lässt ihn der Ballermann nicht mehr los. Aus dem disziplinierten Nachwuchsspieler wird jemand, der auf Tischen steht. Ein "Spaßvogel", der auffällt.
Freunde bringen ihn deshalb auf die Idee, sich auf die Bühne zu stellen. "Ich habe gesagt, ich kann doch gar nicht singen." Die Antwort: "Egal." Ein guter Freund von Schüler nimmt Kontakt zu Produzent Michael Rötgens von Xtreme Sound auf. Eine ZDF-Doku zeigt 2024 die ersten Schritte als Micha Schue. "Ein spannender Kandidat", sagt Rötgens damals. Auch, weil er die vielen Hobby-Kicker, die am Ballermann feiern, mit seiner Vergangenheit anspricht.
Schüler wird ins Studio gestellt – ohne große Vorbereitung. "Ich dachte, ich schieße durch die Decke", sagt er heute. Doch sein erster Song "Die ganze Herde auf Safari" wird kein Hit. Der Durchbruch kommt einen Sommer später mit "Sternhagelvoll". Plötzlich wird der Ex-Fußballer einer der Newcomer der Saison. Auf Reality-TV will er vorerst verzichten.
Das haben Partyschlager und Profifußball gemeinsam
Doch auch am Ballermann herrscht - wie im Fußball - ein großer Konkurrenzkampf und Verdrängungswettbewerb. Viele wollen spielen. Nur wenige bekommen die Bühne. Im Fußball gibt es allerdings mehr Mannschaften, auf die sich die Spieler verteilen können. "Am Ballermann hast du im Grunde nur den Bierkönig oder den Megapark."
Im dritten Jahr als Partysänger singt Micha Schue im Duett mit Ballermann-Urgestein Lorenz Büffel ("Immer viel trinken") und tritt im Schnitt einmal pro Woche im Bierkönig auf. Dazu kommen Auftritte in Deutschland und am Goldstrand in Bulgarien. 35 Minuten Show. Kürzer als eine Halbzeit.
Mit seiner ungewöhnlichen Lebensgeschichte wolle er Jüngeren etwas mitgeben. "Du musst nicht immer diesen normalen Weg gehen: Schule, Ausbildung, Studium, Job. Nee, das Leben hat so viel mehr für dich bereitstehen." Man solle das machen, worauf man Lust hat. "Du lebst nicht ein Leben Anderer."
Trikot-Song ist Herzensangelegenheit
"In den Farben getrennt, in der Sache vereint", singt der frühere Verteidiger in seinem aktuellen WM-Song und animiert zum Trikottausch. Der Ballermann stehe für Zusammenhalt, Fans aller Mannschaften würden größtenteils friedlich zusammen feiern. Schüler tritt stets im Trikot auf, verkauft sie sogar online. Fußball bleibt Teil seiner Identität.
"Ich habe noch nie eine WM miterlebt als Gast oder Künstler. Deswegen ist es für mich auch jetzt das erste Mal, das ist einfach ein besonderes Ding. Gerade auch als Ex-Fußballer."
Sein Song schließt einen Kreis. Vom Nachwuchsspieler auf dem Platz zum Entertainer auf der Bühne. "Das ist eine Herzensangelegenheit", sagt er.
Ob Hit oder nicht, sei zweitrangig.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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