
Seit Eröffnung der Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen hat die Bundespolizei dort nach Angaben des Bundesinnenministeriums in mehr als 200 Fällen beraten und Unterstützung angeboten. Ob die im Rahmen eines Pilotprojekts geschaffenen Einrichtungen am Kölner Hauptbahnhof und am Berliner Ostbahnhof über September 2027 hinaus betrieben werden, ist nach Auskunft einer Sprecherin des Ministeriums noch offen. Auch zu einer möglichen Eröffnung entsprechender Anlaufstellen an anderen Bahnhöfen steht die Entscheidung noch aus.
Die erste Anlaufstelle in Berlin hatte die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am 15. August 2024 offiziell eröffnet. Am Kölner Hauptbahnhof existiert ein solcher Rückzugsraum, der sich mit Sofa und dekorativen Elementen auch optisch von den ansonsten eher funktionalen Räumlichkeiten der Dienststelle abhebt, seit dem 29. September 2025.
Polizistinnen für Umgang mit Gewaltopfern geschult
Der Gedanke hinter dem Pilotprojekt: Opfer häuslicher Gewalt werden häufig stark vom Täter kontrolliert. Deshalb könnte es für sie womöglich leichter sein, eine rund um die Uhr geöffnete Dienststelle der Polizei an einem stark frequentierten Ort wie einem Bahnhof zu erreichen als eine Wache der Landespolizei. Als Ansprechpartnerinnen für die Betroffenen stehen in den Gewaltschutz-Anlaufstellen Polizistinnen - ausschließlich Frauen - bereit, die für diese Aufgabe besonders fortgebildet wurden.
Wie das Bundesinnenministerium auf Anfrage mitteilte, hat die Bundespolizei in Berlin und Köln bisher insgesamt in 220 Fällen beraten. "33 Fälle waren dem Phänomenbereich der häuslichen Gewalt zuzuordnen", sagt die Sprecherin. Denn, wie Beamtinnen, die in der Kölner Einrichtung arbeiten, berichten: In dem separaten Raum, der hier für die Gespräche mit Betroffenen genutzt wurde, sprechen sie auch mit Frauen, Kindern und Jugendlichen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind oder aus anderen Gründen "stark aufgelöst" bei der Polizei ankommen.
Anders als im Vernehmungsraum
Der Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch, hat die Dienststelle der Bundespolizei am Kölner Hauptbahnhof vor einigen Tagen erstmals besucht, um sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen vor Ort zu machen. Er sagt: "In besonderen Situationen, in denen es um Gewalt gegen Frauen geht, ist es gut, den Raum zu haben, weil man sich in eine andere Umgebung bewegen kann, die eine andere Gesprächsatmosphäre erzeugt als das im Vernehmungsraum in einer Polizeidienststelle so ist."
Im Jahr 2024 wurden bundesweit 187.128 Frauen Opfer häuslicher Gewalt - ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen für 2025 liegen bislang nicht vor. Die Kriminalstatistik zeigt allerdings nur Fälle, die den Ermittlern auch bekanntwerden. Der gemessene Anstieg kann also damit zusammenhängen, dass es mehr Taten gibt, aber auch damit, dass Menschen verstärkt Taten anzeigen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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