
Ilias Jakypbek trägt Handschuhe, blaue Uniform und einen orangen Schutzhelm. Gemeinsam mit seiner Mitstreiterin hält er den Wasserschlauch, 130 Liter spritzen pro Minute heraus. Aus dem zweiten Stock des Holzgebäudes kommt Rauch aus der Nebelmaschine. Die Aufgabe: Das Feuer löschen und einen Menschen retten. Ilias Jakypbek ist Mitglied der Jugendfeuerwehr in Mannheim. "Feuerlöschen ist absolut das Coolste", sagt der 14-Jährige. "Also so einen Schlauch in der Hand zu halten, da kommt super viel Wasser raus. Das ist schon mega."
Jugendfeuerwehren in Deutschland erhalten seit Jahren enormen Zulauf - und haben so viele Mitglieder wie noch nie: 2025 waren es laut der Deutschen Jugendfeuerwehr 380.441 Kinder und Jugendliche - rund 42 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Doch woher kommt der Trend?
Mehr Jugendfeuerwehren bieten Gruppen für Kinder an
Wibke Riekmann von der Hochschule Hannover verweist unter anderem auf die gezielte Öffnung der Jugendfeuerwehren für Kinder in den vergangenen Jahren. Die Verantwortlichen hätten einfach festgestellt: "Mensch, wenn wir erst mit zehn Jahren anfangen, dann sind die schon alle weg, die Kinder", sagt Riekmann, die zu Jugendverbänden forscht. "Dann haben die schon alle ihre Pfadfinder, ihren Sport oder ihr Hobby und so. Wir müssen eigentlich früher anfangen."
Den deutlichsten Zuwachs innerhalb der Jugendfeuerwehren verzeichneten laut Bundesverband die Kindergruppen, bei denen sich die Mitgliederzahlen in fünf Jahren fast vervierfacht haben - auf 105.687. Die Kindergruppen fangen demnach teilweise schon ab sechs Jahren an, zur Jugendfeuerwehr geht es dann ab zehn bis zwölf Jahren.
Ilias Jakypbek ist seit dreieinhalb Jahren bei der Jugendfeuerwehr in Mannheim dabei. Er habe sich schon immer sehr für die Feuerwehr interessiert, erzählt der 14-Jährige auf der Wache zwischen Feuerwehrautos. "Die Geräte hier sind total cool, und das Feuerlöschen ist einfach was so Einzigartiges." Die Begeisterung für die gemeinsame Sache zu teilen, sei großartig. "Von den anderen Leuten hier, von den Kindern, auch was gegenseitig zu lernen und sich so zu ergänzen - ich finde, das ist einfach supercool."
Auch die Idee, anderen Menschen zu helfen, finde er toll, sagt der Schüler. Bei einer 24-Stunden-Übung hätten sie Brandopfer gerettet."Auch wenn es nur gespielt war, war deren Erleichterung, als wir die aus dem brennenden Haus geholt haben, trotzdem immens", sagt er und lächelt.
Expertin: Jugendfeuerwehr genießt großes Vertrauen
Expertin Riekmann betont darüber hinaus, dass Kinder- und Jugendfeuerwehren auch im ländlichen Raum stark vertreten seien - und präsent etwa über ihre Feste, aber auch über die Feuerwache im Ort. Dazu machten sie ein klares und damit attraktives Angebot: "Die Kinder wissen: Bei der Jugendfeuerwehr, da lerne ich was, was mit Löschen und Retten zu tun hat. Ich lerne was über Technik."
Dazu habe es die Jugendfeuerwehr seit jeher geschafft, alle Bevölkerungsschichten anzusprechen - im Gegensatz zu anderen Jugendgruppen wie den Pfadfinderinnen und Pfadfindern, die traditionell eher das Bildungsbürgertum anziehen würden. "Die Jugendfeuerwehr genießt ein großes Vertrauen als Jugendverband", sagt die Pädagogin. Sie vermittele zudem ein starkes Gefühl der Gemeinschaft, sich zugehörig zu fühlen.
Zeltlager für unter 100 Euro die Woche
Auch der Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr, Christian Patzelt, sagt: "Wir bieten Freizeitprogramm für einen extrem geringen Kostenanteil an." So hätten in den vergangenen Jahren immer noch Kinder eine Woche Vollpension im Zeltlager für unter 100 Euro bekommen. "Das ist schon sehr, sehr ausschlaggebend, dass wir immer noch draufgucken, dass wir es am Ende irgendwie für alle bezahlbar machen." Hilfreich dabei seien auch die Fördervereine der Freiwilligen Feuerwehren.
In Mannheim zahlen die Kinder und Jugendlichen nichts für das Training unter der Woche, wie Jugendwartin Wiebke Zimmer sagt. "Die Kinder werden eingekleidet in Uniform, das wird auch alles gezahlt von der Feuerwehr." Die Stadt gebe auch Zuschüsse. Die Stärke der Feuerwehr sei zudem, dass unter den Mitgliedern Handwerker und Wissenschaftlerinnen seien. "Der klassische Feuerwehrmann, die klassische Feuerwehrfrau braucht kein Studium."
Mädchenanteil bundesweit bei rund 33 Prozent
Ein weiterer Punkt für den enormen Zuwachs in den vergangenen Jahren ist laut Forscherin Riekmann die zunehmende Öffnung für Mädchen. "Davor sozusagen war das ja fast eine reine Männerangelegenheit." Jetzt machten die Jugendfeuerwehren auch bei Werbeaktionen deutlich, dass ihr Angebot sich nicht nur an Jungs richte. Der Mädchenanteil liegt mittlerweile bundesweit bei rund 33 Prozent. Bundesjugendleiter Patzelt sagt zudem, dass gerade die Gruppen, in denen bereits mindestens ein Viertel Mädchen sind, für Mädchen attraktiv sind - und weitere Interessentinnen anziehen würden.
Ilias Jakypbek überlegt schon, sich später in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren. Er rät anderen Kindern und Jugendlichen mit Blick auf die Jugendfeuerwehr: "Es lohnt sich, nur hinzugehen - einfach mal ausprobieren."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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