
Mit goldenem Konfetti auf dem von Sekt und Bier verklebten Trikot genoss Marcel Noebels noch diesen Moment mit seinen Berliner Eisbären. Während sich der Routinier nach der erneuten Titelverteidigung mit bewegenden Worten vom Eishockey-Serienmeister verabschiedete, klatschte Coach Serge Aubin mit feuchten Augen alle Spieler und seinen Trainerstab ab.
Was wie ein Lebewohl aussah, war auch eines. Einen Tag nach dem zwölften Meisterstück bestätigten die Eisbären auch den Abschied ihres Erfolgscoaches. Aubin wechselt zum SC Bern - trotz eines bis 2028 laufenden Vertrages. Bei den Schweizern unterschrieb er einen Dreijahresvertrag. Die Berliner stehen nach ihrem lange nicht für möglich gehaltenen nächstem Titelcoup vor einem großen Umbruch.
"Wir sind Serge unglaublich dankbar für seine Arbeit in den letzten Jahren. Er ist einer der besten und erfolgreichsten Trainer der Eisbären-Geschichte. Fünf Meisterschaften in den letzten sechs Jahren sprechen für sich", teilte der DEL-Rekordchampion mit.
Über einen Nachfolger des 51-Jährigen ist noch nichts bekannt. "Wir werden die neue Situation nun in Ruhe analysieren. Wir haben ein sehr gutes Trainerteam und werden den passenden Head Coach für die Eisbären finden", sagte Sportdirektor Stéphane Richer.
Die Jubelstürme in der SAP Arena nach dem 4:1 waren kaum verklungen, die Bilder des zwölften Meistertitels noch frisch. Und schon mischte sich in die ausgelassene Stimmung bei den Berlinern eine nachdenkliche Note.
Noebels hätte Karriere gerne in Berlin beendet
Noebels erklärte zu seinem eigenen Abschied noch vor der Bestätigung des Aubin-Abgangs nach seiner fünften Meisterschaft in zwölf Jahren: "Für mich ist die Finalserie sehr emotional. Klar, ich wusste im Endeffekt, dass das letzte Spiel kommen wird. Nichtsdestotrotz glaube ich, hätte es für mich keinen besseren Abschied geben können."
Ursprünglich habe er geplant, seine Karriere in Berlin zu beenden, meinte er. "Ich wäre natürlich gerne noch viele, viele weitere Jahre hier geblieben. Aber manchmal gibt es im Leben Sachen, die man nicht einplant. Aber wenn eine Tür zugeht, dann geht eine andere auf."
Der Weg des Olympia-Zweiten von 2018 führt offenbar zu den Kölner Haien, die wie die beiden anderen Playoff-Gegner Straubing Tigers und Adler Mannheim von der Wucht der Eisbären überwältigt wurden.
Coach Aubin stellt Clubrekord ein
Dabei galt diese Meisterschaft lange als die unwahrscheinlichste. Verletzungen wichtiger Spieler warfen die Berliner immer wieder zurück - darunter Leistungsträger Blaine Byron und Ty Ronning. Bilder vom im Rollstuhl feiernden Lean Bergmann stehen sinnbildlich für diese schwierige Saison, die aus Eisbären-Sicht erst nach der Olympia-Pause Schwung aufgenommen hat. Zudem dezimierten sie sich selbst durch die Sperre von Kapitän Kai Wissmann.
Auch deswegen sei der Titel etwas Besonderes für ihn persönlich, meinte Coach Aubin. Fünfmal holte er die deutsche Meisterschaft mit den Eisbären und stellte damit den Clubrekord des legendären Trainers Don Jackson ein. Wenn Aubin mit Berlin die Playoffs erreichte, verlor die Mannschaft keine einzige der 15 Serien.
"Nach all den erfolgreichen Jahren hatte ich das Gefühl, eine neue Herausforderung annehmen zu wollen. Daher habe ich mich zu diesem Schritt entschieden. Ich werde meine Zeit in Berlin niemals vergessen", wurde Aubin in einer Eisbären-Mitteilung zitiert.
Der Kanadier verwies zuvor auf die vielen Rückschläge und Herausforderungen, die sein Team in dieser Spielzeit zu meistern hatte. "Es gab eine lange Zeit Zweifel an uns. Aber wir sind damit gut umgegangen und zur richtigen Zeit aufgestanden."
Auch beide Torhüter vor dem Absprung
Personell verursachen Aubin und Noebels nicht die einzigen Baustellen. Als Torwart Jake Hildebrand, der angeblich schon bei den Adler Mannheim unterschrieben haben soll, sich verletzte, war dann auch noch sein Vertreter Jonas Stettmer zur Stelle - und wie: Der 24-Jährige trieb die Adler in die Verzweiflung und wurde zum besten Spieler der Finalserie gekürt. "Das hätte ich mir niemals erträumt." Aber: Auch Stettmer geht - voraussichtlich zurück zum ERC Ingolstadt.
Während die Meisterparty also noch nachhallt, beginnt im Hintergrund bereits die Neuordnung. Richer mahnt zur Ruhe, will den Moment genießen. "Jetzt feiern wir erst einmal den Meistertitel und dann reden wir über Verträge", sagte er der "Bild". Was bleibt, ist ein Gefühl zwischen Erfüllung und Aufbruch. Die Eisbären haben einmal mehr gezeigt, dass sie die prägende Kraft der Liga sind - allen Widrigkeiten zum Trotz.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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