
- Newcastle-Krankheit in Geflügelbetrieben in Bayern und Brandenburg ausgebrochen
- Besiegt geglaubte Tierseuche versetzt Experten in Alarmbereitschaft
- Auch Zoos in Gefahr: Was macht die Newcastle-Krankheit so heimtückisch?
Drei Jahrzehnte lang galt Deutschland als frei von der Newcastle-Krankheit – nun kehrt die hochansteckende Tierseuche mit Wucht zurück. Seit Ende Februar 2026 wurden insgesamt acht Ausbrüche auf Geflügelfarmen bestätigt: vier davon in Brandenburg, sechs weitere im bayerischen Landkreis Erding.
Newcastle-Krankheit wieder ausgebrochen: Acht Fälle von Tierseuche in Bayern und Brandenburg bestätigt
Die Zahlen sind alarmierend: Bis zum 4. März 2026 mussten bereits rund 125.000 Tiere vorsorglich getötet werden, wie der "Stern" berichtet. Doch damit nicht genug – im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald sind nach Angaben der Kreisverwaltung weitere 510.000 Tiere in zusätzlichen Stallanlagen eines bereits betroffenen Betriebs von der Seuche betroffen. Auch eine Kleinsttierhaltung in Königs Wusterhausen meldete infizierte Hühner. Das Friedrich-Loeffler-Institut hatte Ende Februar den ersten Fall seit 1996 gemeldet. Seitdem breitet sich das Virus rasant aus.
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Experten schlagen Alarm: Newcastle-Krankheit als "erhebliche Gefährdung" eingestuft
Die Veterinärbehörden sind in höchster Alarmbereitschaft. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft die Lage als erhebliche Gefährdung für sämtliche Geflügelbetriebe und andere Vogelhaltungen wie Zoos ein. Besonders brisant: Parallel grassiert weiterhin die Vogelgrippe H5N1. "Die Aufmerksamkeit sollte unbedingt sehr hochgehalten werden", mahnt ein FLI-Sprecher. Die Behörde fordert von allen Betrieben einen streng kontrollierten Personen- und Warenverkehr sowie sofortige Tests bei kranken oder verendeten Tieren.
Auch Thüringens Gesundheitsministerium bezeichnet die Tierseuchenlage als "hochdynamisch". Von einer konstant hohen Gefährdung der Geflügelbestände sei auszugehen – obwohl im Freistaat bislang keine Fälle aufgetreten sind.
Newcastle-Krankheit mit tödlichem Verlauf für Geflügel - wie hoch ist die Infektionsgefahr für Menschen?
Die auch als "atypische Geflügelpest" bezeichnete Erkrankung endet für infizierte Vögel fast immer tödlich. Das Newcastle-Disease-Virus kann nach Angaben des FLI vermutlich sämtliche Vogelarten befallen. In Deutschland tritt der Erreger vor allem bei wildlebenden Tauben auf. Betroffene Tiere zeigen charakteristische Symptome: Fressunlust, Abgeschlagenheit und deutlicher Leistungsverlust gehören zu den ersten Anzeichen. Hinzu kommen Atemwegsprobleme wie Keuchen oder Niesen. Im weiteren Verlauf treten neurologische Störungen auf – von Zittern über Flügellähmungen bis hin zu Schwierigkeiten beim Stehen.
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Für Menschen besteht kaum Gefahr. Nur bei sehr engem Kontakt mit erkrankten Tieren kann es zu Bindehautentzündungen kommen. Das FLI weist jedoch darauf hin, dass in Einzelfällen bei immungeschwächten Personen tödliche Verläufe dokumentiert wurden.
Schärfere Kontrollen nach Ausbruch der Newcastle-Krankheit - stärkerer Fokus auf Impfungen
Sachsens Veterinärämter reagieren mit verschärften Kontrollen auf die Seuchenlage. Besonders Halter mit wenigen Tieren stehen im Fokus – bei ihnen wurde in der Vergangenheit häufig ein unzureichender Impfschutz festgestellt. "Viele Geflügelhalter wiegen sich in einer scheinbaren Sicherheit, da es in den vergangenen Jahren nur selten zu Ausbrüchen der Newcastle-Krankheit in Sachsen gekommen ist", erklärt das sächsische Gesundheitsministerium. Neben verstärkten Überprüfungen setzen die Behörden auf Aufklärung. Beide Ministerien in Sachsen und Thüringen rufen alle Geflügelhalter dazu auf, den Impfstatus ihrer Tiere umgehend zu prüfen und bei Bedarf auffrischen zu lassen. Wegen der parallel grassierenden Vogelgrippe rät Sachsens Ministerium zudem, derzeit keine Geflügelausstellungen oder -märkte zu besuchen.
Impfung gegen Newcastle-Krankheit ist in Deutschland Pflicht
Deutschland gehört zu den wenigen EU-Ländern mit einer verpflichtenden Immunisierung gegen das Newcastle-Disease-Virus. Unabhängig von der Bestandsgröße müssen alle Hühner und Puten geimpft sein – selbst in Kleinsthaltungen mit nur wenigen Tieren.
Die Schutzwirkung ist dabei nicht absolut: Auch geimpfte Vögel können sich anstecken. Allerdings erkranken sie seltener, scheiden weniger Erreger aus und zeigen mildere Symptome. Weil der Impfschutz bei einzelnen Tieren lückenhaft sein kann, setzen die Behörden auf eine Doppelstrategie aus Impfung und Keulung betroffener Bestände.
Das FLI verweist zudem auf zahlreiche Ausbrüche in den Nachbarländern Polen, Tschechien und der Slowakei. Eine flächige Ausbreitung aggressiver Virusvarianten in Wildvögeln wurde bislang jedoch nicht nachgewiesen.
Weitere Informationen zu Infektionskrankheiten finden Sie hier:
- Diese tödlichen Seuchen hätten um Haaresbreite die Menschheit ausgelöscht
- Bewahrt bald eine einzige Sprüh-Impfung vor Influenza, Coronavirus und Co.?
- Kliniken quellen über nach neuer rätselhafter Viruswelle
- Neuer Vogelgrippe-Subtyp erstmals beim Menschen nachgewiesen
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