
An Olympia kommt in Hamburg derzeit niemand vorbei. Ob Olympia nach Hamburg kommt, wird beim Referendum am Sonntag zwar nicht entschieden. Doch die Bürgerinnen und Bürger können dafür sorgen, dass Hamburgs Bewerbung um das Ringe-Spektakel für 2036, 2040 oder 2044 endet, bevor es überhaupt richtig losgeht - wie vor elf Jahren.
Die Initiatoren mit dem rot-grünen Senat und dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an der Spitze wollen ein Déjà-vu unbedingt vermeiden. 2015 scheiterten die Bemühungen um eine Kandidatur für die Spiele 2024 schon einmal am Bürgerwillen. Auch diesmal ist der Ausgang völlig offen.
Der Wahlkampf ist in Hamburgs Straßen überall sichtbar. Schon seit Wochen ist die Stadt voll von Plakaten, Aufstellern und Werbebannern von Befürwortern und Gegnern einer Kandidatur der Nord-Metropole. Vor allem die Initiatoren und Unterstützer der Bewerbung haben groß aufgefahren. Sie bieten eine Reihe von bekannten Vertretern aus Sport, Kultur und Wirtschaft auf, um für das Ringel-Spektakel zwischen Alster und Elbe zu werben.
Von Zverev bis Aale-Dieter: Viel Werbung für Olympia in Hamburg
Von Tennisstar Alexander Zverev über Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig bis hin zu Schauspielerin Lilli Holunder, Sänger Udo Lindenberg oder Fischmarkt-Legende Aale-Dieter reicht die Promi-Palette, die sich für Olympia in Hamburg starkmacht. Politisch wird die Bewerbung vom Senat sowie von den Bürgerschaftsfraktionen von SPD, Grünen und der CDU getragen.
Geht man nach der schieren Präsenz der Ja-Sager im Stadtbild, entsteht der Eindruck, die Entscheidung für eine Bewerbung stünde so gut wie fest. Laut einer Erhebung des "Hamburger Abendblatt" sind knapp drei Viertel der etwa 28.000 Plakate Pro-Bewerbung.
Die Gegner kommen bescheidener daher. Die Aufsteller der Initiative "NOlympia" und der Linken gehen beinahe unter in der Farbenflut des Logos der Hamburger Olympia-Kampagne. Bekannte Gesichter haben sie nicht.
1,3 Millionen Menschen sind aufgerufen
Etwa 1,3 Millionen Menschen ab 16 Jahren sind stimmberechtigt. Bis zum Mittwoch konnten sie per Briefwahl abstimmen. Etwa 40 Prozent nutzten diesen Weg. Am Sonntag haben die anderen in 178 Abstimmungsstellen die Möglichkeit, ihr Votum abzugeben. Bis 20.00 Uhr ist eine Tendenz absehbar. Um 22.00 Uhr sollten alle Stimmen ausgezählt sein.
Bevölkerung von zwei Hamburger Konkurrenten stimmten zu
Bürgermeister Tschentscher wäre mit einem Ergebnis von 50 Prozent plus schon zufrieden. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bewertet alle Kandidaten - neben Hamburg sind das München, die Rhein-Ruhr-Region und Berlin - mit Hilfe einer Matrix, in die auch die Bürgerbefragungen berücksichtigt werden. Am 26. September soll entschieden werden, welches Konzept ins internationale Bewerbungsverfahren geht.
Ein wesentlich besseres Ergebnis als die 50 plus wäre für eine Bewerbung Hamburgs in jedem Fall hilfreich. In der Rhein-Ruhr-Region und in München lag die Zustimmung jeweils bei rund 66 Prozent. Berlin verzichtet aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum und lässt das Abgeordnetenhaus abstimmen.
Bei dem Bürgerentscheid von Hamburgs Partner Kiel am 19. April stimmten 63,5 Prozent dafür, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelstandort empfiehlt.
Olympia-Wahlkämpfer Tschentscher
Ein Nein der Hamburger Bevölkerung wäre für Bürgermeister Tschentscher und seinen Senat auch eine persönliche Niederlage. Er engagierte sich auffällig als Olympia-Wahl- und Vorkämpfer. Seit März tingelte er durch die Stadt, um die Bevölkerung für Olympia zu begeistern.
Zwar geht es bei dem Referendum nur darum, ob Hamburg im Rennen um die deutsche Kandidatur bleiben soll. Der Bürgermeister sieht in einem positiven Ergebnis aber mehr.
"Wenn wir dort eine Mehrheit bekommen, dann steht uns die Welt offen", hatte Tschentscher mit für ihn ungewohnten Pathos gesagt. Er betonte dabei erneut, beim Hamburger Olympia-Konzept gehe es darum, "dass es nachhaltig, inklusiv, klimafreundlich zugeht und dass wir eben (...) nicht Hamburg auf den Kopf stellen, sondern die Spiele in die Stadt integrieren".
Erinnerungen an 2015
Die Zweifler überzeugt das nicht. Wie 2015 argumentieren die Olympia-Gegner mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken sowie Belastungen für die Bevölkerung, die Stadt und die Umwelt durch Verkehr, Baumaßnahmen und zu hohen Mieten. Die positiven Wirkungen für den Breitensport sehen sie nicht. Auch den vom Tschentscher angeführten Kulturwandel innerhalb des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) können die Kritiker nicht feststellen.
"Es bleibt ein Schweizer Verein, dessen Führungskräfte sich selbst ernennen, als Freiwillige definieren und dafür bis zu 1,6 Millionen Euro im Jahr kassieren", heißt es auf der Webseite von "NOlympia". Es predige Völkerverständigung und diktiere gleichzeitig Unterordnung von Ländern, Städten und Athleten unter seine Gesetze.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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