
Mathieu van der Poel ergriff vorsorglich schon einmal die Flucht. Da das Wetter in der Heimat zwischen regnerisch und stürmisch schwankte, düste der Niederländer per Privatjet in die Sonne Spaniens. Nichts sollte die Vorbereitung auf die Flandern-Rundfahrt einschränken. "De Ronde", Belgiens heimlicher Nationalfeiertag, steigt am Ostersonntag und bildet den Auftakt zu zwei weiteren - womöglich epischen - Duellen mit Über-Radprofi Tadej Pogačar.
"Letzte Vorbereitung in Spanien für die Heilige Woche", verkündete van der Poel auf Instagram und bestieg den Flieger. In der Nähe von Calpe an der Costa Blanca hat der 31-Jährige seine Schönwetter-Basis. Dort trainierte er an der Seite von Jordi Meeus, dessen Team Red Bull am Donnerstag eine Überraschung parat hatte: Olympiasieger Remco Evenepoel wird erstmals in Flandern starten. Kann er beim Duell zwischen van der Poel und Pogačar dazwischenfunken? In Belgien drehen sie jedenfalls schon durch.
Generalprobe gewonnen
Van der Poel ist eigentlich der beste Klassikerfahrer seiner Generation. Dreimal gewann er in Flandern, dreimal in Roubaix. Unsterbliche Siege in der sogenannten Heiligen Woche des Radsports, da beide Monumente stets nur sieben Tage auseinanderliegen.
Wäre da nicht Pogačar, der aufgrund seiner wohl einmaligen Vielfältigkeit auch als ein viermaliger Sieger der Tour de France auf dem holprigen Pflaster um Siege fährt. Zweimal zeigte der Slowene van der Poel in Flandern auf empfindsame Weise bereits die Grenzen auf.
Am Sonntag soll alles anders werden, van der Poel will wie 2022 wieder vor Pogačar sein. Der achtmalige Crossweltmeister gewann den E3 Preis, das wichtigste Vorbereitungsrennen. Seine Niederlage gegen Pogačar bei Mailand-Sanremo vor zwei Wochen war wohl auch auf eine Handverletzung zurückzuführen, die van der Poel bei einem Sturz erlitten hatte.
Pogačar und der Genuss
278 Kilometer von Antwerpen nach Oudenaarde und 16 giftige Anstiege liegen zwischen van der Poel und einem vierten Sieg bei der Ronde. Es wäre geschichtsträchtig. Zwar gibt es sieben Fahrer mit drei Erfolgen, einen mehr hat noch niemand erreicht.
Einen jubelnden van der Poel möchte Pogačar natürlich nicht sehen. Zwei Rennen fuhr der 27-Jährige dieses Jahr, zwei Siege resultierten daraus. In Flandern ist Pogačar zum einen dabei, um ebenfalls seinen dritten Sieg zu holen und sich auf Paris-Roubaix vorzubereiten, wo er im vergangenen Jahr bei seiner Premiere Zweiter wurde - hinter van der Poel.
Doch Pogačar betont auch, dass er noch aus einem anderen Grund nach Belgien reist. "Flandern ist eine der größten Hochburgen des Radsports. Die Atmosphäre bei diesem Rennen ist besonders. Es ist einfach eine Freude, dabei zu sein", sagte Pogačar. Unterstützt wird der Weltmeister unter anderem vom Kölner Nils Politt, der in fast jedem anderen Team selbst der Anführer wäre.
Welche Taktik wählt van der Poel?
Seine beiden Niederlagen gegen Pogačar in Flandern erlebte van der Poel nach demselben Schema. Bei der dritten und letzten Querung des Oude Kwaremont, - kein steiler, aber mit etwas mehr als zwei Kilometern Länge sehr langer Kopfsteinpflaster-Anstieg - brachte Pogačar so viel Watt auf die Pedale, dass van der Poel nicht mehr folgen konnte. Womöglich wird es der Slowene genau dort erneut versuchen - warum auch nicht.
Van der Poel attackierte 2024 bei seinem bisher letzten Ronde-Sieg in Abwesenheit Pogačars bereits am Koppenberg, jenem bis zu 22 Prozent steilen Monstrum etwa 45 Kilometer vor dem Ziel. Dort könnte er dank seiner besseren Rad-Beherrschung auch Pogačar loswerden. Die größten Chancen dürfte er allerdings haben, wenn er es auf einen Sprint ankommen lässt. So besiegte er Pogačar bereits 2022. Die Wettervorhersage für Sonntag ist übrigens nicht auf der Seite des Sonnengenießers van der Poel: Es sind Sturm und Regen prognostiziert.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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