
Der Gegner heißt SC Paderborn und doch nicht Hannover 96: Und deshalb hat Dieter Hecking schon vor dem Beginn der Bundesliga-Relegation an diesem Donnerstag erst einmal durchgeatmet. Der Trainer des VfL Wolfsburg war auch mal Trainer und Spieler in Hannover. Sich ausgerechnet mit seinem Herzensverein um den letzten freien Platz in der Fußball-Bundesliga zu streiten: Das wollte Hecking sich gern ersparen.
Wie lange der 61-Jährige nun schon im Geschäft ist, sieht man aber auch daran, dass ihn selbst mit dem SC Paderborn noch eine gemeinsame Geschichte verbindet. Von 1994 bis 1996 spielte Hecking für den Vorgängerverein TuS Paderborn-Neuhaus - in einem Team mit seinen heutigen Trainerkollegen Roger Schmidt und Daniel Farke. Fast 42 Jahre nach seinem ersten Bundesliga-Einsatz im November 1981 kennt er in dieser Branche beinahe alles und jeden.
Hecking: "Vor neun Wochen waren wir tot"
"Natürlich sind wir Favorit. Das weiß jeder", sagte Hecking der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" vor dem Relegations-Hinspiel an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) in der Volkswagen Arena. "Vor neun Wochen waren wir tot. Da hat keiner mehr einen Pfifferling für uns gegeben. Aber wenn wir jetzt einen Meter weniger machen, dann wackelt das ganze Ding wieder."
In Wolfsburg sind sich viele sicher: Wäre Hecking nicht am 8. März als Trainer zum VfL zurückgekehrt, würde jetzt der FC St. Pauli oder der 1. FC Heidenheim in der Relegation spielen. Dann wäre der Volkswagen-Club nach monatelangem Chaos schon direkt abgestiegen.
"Er kam mit seinem Charisma und seiner Aura", sagte Christian Eriksen bei Sky über Hecking. "Seine Erfahrung aus ähnlichen Situationen in der Vergangenheit überträgt sich auf die Spieler und wir profitieren davon. Er hat die Mannschaftsdynamik, die Rollenverteilung und die Spielidee verändert. Jetzt sind wir konstanter und wissen, was wir auf dem Platz machen müssen."
"Charisma und Aura": Eriksen lobt Trainer
Wenn der 34 Jahre alte Eriksen die Arbeit von Trainern bewertet, hat das Gewicht. Denn Dänemarks Rekordnationalspieler arbeitete bei Tottenham Hotspur oder Inter Mailand schon mit erfolgreichen Namen wie José Mourinho, Antonio Conte oder Mauricio Pochettino zusammen.
Hecking hat in Wolfsburg nie den großen Zampano gegeben. Er hat sich auch methodisch nichts einfallen lassen, was andere Trainer nicht auch schon probiert hätten. Aber Hecking punktete mit seiner Klarheit. Er führte einen Kader zusammen, der aufgrund seiner zwischenmenschlichen Probleme und der vielen Versäumnisse auf dem Transfermarkt schon als untrainierbar galt.
Fall Amoura - war da was?
Seine Kommunikation strahlt immer aus: "Ich weiß, was ich tue!" Bei 33 Spielern auf der Gehaltsliste erkannte er sehr schnell: Den kann ich brauchen, und den nicht. Der Brasilianer Vinicius Souza kostete vor der Saison 15 Millionen Euro - und hat erst jetzt seinen richtigen Platz im Team. Der Slowake Denis Vavro sollte im Winter eigentlich verkauft werden - und ist jetzt der Abwehrchef.
Und wenn sich der beste und wertvollste Spieler im Training nicht an die Regeln hält, dann fliegt er auch mitten im Abstiegskampf aus dem Kader. Den Fall Mohammed Amoura moderierte Hecking so, dass er nie zum Problem wurde.
Jeder in Wolfsburg weiß: Das alles ist nichts wert, wenn der VfL am Donnerstag und Pfingstmontag in den beiden Spielen gegen Paderborn verlieren sollte. Im vergangenen Jahr stieg Hecking trotz eines ähnlichen Aufschwungs mit dem VfL Bochum noch ab. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns in Wolfsburg hat er in den vergangenen elf Wochen erheblich reduziert. "Ich habe das Gefühl", sagte er, "dass meine Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt da ist!"
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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